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Kinder im Internet

27/07/2013

Immer wieder komme ich an den Punkt an dem ich nicht fassen kann, dass es noch junge Menschen gibt, die diesen Punkt noch nicht begriffen haben. Dabei schreibe ich jetzt ganz bewusst „junge Menschen“, denn ich habe meine Ansprüche an die Medienkompetenz meiner Mitmenschen schon ganz arg runtergeschraubt. Aber bevor ich hier jetzt rumwetter, erkläre ich euch erstmal worum es geht.

Mit „Kinder im Internet“ meine ich nicht die Kinder, die im Internet surfen, sondern diejenigen, die dort via Foto oder Film zu sehen sind. Das sind nicht gerade wenige und das ist ja auch für uns alle sehr schön. Ich schaue mir unheimlich gerne Fotos und Videos von Kindern und Babies an und erfreue mich an dem blühenden Leben. Es ist toll, wenn man den Stolz und die Freude der Eltern bewundern kann. Sowohl bei Youtube als auch bei Facebook und in vielen Blogs findet man alle möglichen und unmöglichen Inhalte über das Leben dieser Kinder. Oft sind diese Bilder anonymisiert, die Namen sind verändert und/oder das Kind wird nur von hinten fotografiert. So handhabe ich das hier auf iLilly ja auch. Ich bin stolz auf meinen kleinen Helden und teile gerne Geschichten und Erlebnisse mit der Welt, doch für mich hört diese Freude auf, wenn die Bilder des kleinen Helden in Zusammenhang gebracht werden mit seinem richtigen realen Namen. Wir haben für uns entschieden, dass wir seine persönliche Online-Präsenz so anonymisiert wie möglich halten wollen. Dazu gehört auch, dass weder sein vollständiger Name irgendwo zu finden ist (erst gar nicht mit seinem Foto!), noch irgendwelche anderen persönlichen und medizinischen Daten.Dies sehen nicht alle Eltern so eng. Es gibt viele, die Bilder in sozialen Netzwerken posten, viele die auch das ganze Gesicht des Kindes abbilden. Das muss jeder für sich entscheiden. Das darf jeder für sich entscheiden!

Nun besagt das Kunsturheberrechtsgesetzt ja eh, dass Fotos einer dritten Person erst dann veröffentlicht werden dürfen, wenn diese dritte Person ihr Einverständnis erklärt hat. Für Kinder sind da die Eltern natürlich maßgebend. Dies gilt allerdings nicht, wenn man an einer öffentlichen Veranstaltung teilnimmt. Dennoch sollte vermieden werden, den Namen eines Kindes mit seinen persönlichen Daten (Adresse, Alter etc) zusammen mit einem Foto zu veröffentlichen, vor allem wenn die Eltern hierzu keine konkrete Erlaubnis erteilt haben.

Warum mir das so wichtig ist? Naja, selbst wenn es mir nicht so wichtig sein sollte, könnte es dem kleinen Helden in ein paar Jahren schon sehr wichtig sein. Seine Online-Geschichte kann dann zu Mobbing, Bewertungen bei zukünftigen Arbeitsgebern oder einfach zu einem verzehrten Bild von ihm führen. Er soll selbst entscheiden können.

Jetzt ist es uns vor kurzem bereits zum dritten Mal passiert, dass Bekannte, die wir eigentlich für relativ medienkompetent (Smartphone, Blog und Twitter Kenner etc) halten auf die wenig geniale Idee kommen ein Bild von unserem kleinen Helden irgendwo zu posten. Grundsätzlich kann ich das nachvollziehen, er ist halt schon süß (sagt die ganz objektive Mutter). Aber es ärgert mich schon sehr, wenn diese Menschen dann nicht mal auf die Idee kommen zu fragen! Und die allergrößte Frechheit ist es wenn sie dann auch noch den Namen drunter schreiben und mit einem von uns verlinken. Als wenn sie stolz sind und im Ernst glauben, dass wir uns darüber freuen…

Wie stellen die sich das vor? Die knipsen den kleinen Helden, packen das Ganze mit ein bis fünf klicks bei Facebook oder auf ihre tolle Vereinsseite und wollen dafür im Ernst Applaus?! Fragen die sich gar nicht, warum in unserem Profilen keine Bilder von ihm zu finden sind? Oder warum nirgends sein Name auftaucht?! Sind Menschen wirklich so ignorant? Und wenn man die Leute dann freundlich und höflich zurückhaltend bittet doch zumindest die Namen und Links wieder zu entfernen, trifft man auf die unterschiedlichsten Reaktionen. Von „oh, sorry, mach ich direkt“ über „Was stellt ihr euch so an, meine Schwester postet auch alles.“ bekommt man so ziemlich alles geboten. Gut ist auch meine liebste Reaktion „Aber du hast nichts gesagt als ich Fotos gemacht habe…“ – Ja, ne, ist klar. Weil ich dich nicht für’s fotografieren ankeife, darfst du die Bilder auch veröffentlichen…ist ja ein und das selbe…

Ich ärgere mich aber am allermeisten über mich selbst. Denn eigentlich ist es in meiner Verantwortung den kleinen Helden vor solchen Sachen zu schützen. Wenn ich bemerke, dass er fotografiert wird muss ich immer wieder laut und deutlich sagen, was mit den Fotos nicht geschehen darf. Ich muss immer wieder kontrollieren ob man ihn bei Google findet und ich muss direkt und ohne Vorbehalt dagegen vorgehen. Und nochmal, es geht mir nicht um die Bilder an sich, es geht um die Bilder in Verbindung mit dem realen Namen! Die Bilder an sich sind nochmal ein ganz anderes Thema, aber darüber vielleicht ein anderes Mal. Ehrlich, in solchen Momenten kriege ich gut Lust jemanden zu verklagen…einfach mal ein Exempel statuieren…

Ist es euch schon mal passiert, dass jemand den Namen eures Kindes zusammen mit dem Foto im Internet präsentiert hat, ohne eure Erlaubnis dafür einzuholen? Wie habt ihr reagiert? ♥

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5 Kommentare leave one →
  1. 27/07/2013 08:40

    Nein, mir ist das glücklicherweise noch nicht passiert. meine schwester stellte mal ein bild auf facebook ein, dann bat ich sie aber dies wieder weg zu nehmen. es gibt keine bilder meiner kinder auf facebook oder anderen stellen im internet. also nicht von mir uns bisher ist mir auch von anderen nichts bekannt. ich teile deine meinung!

    lg
    halitha

  2. 27/07/2013 09:52

    Ich bin da ganz deiner Meinung! Obwohl ich auch einen Mamablog betreibe, werden nur Fotos von Hinten/ohne Gesicht und ohne Namen oder persönliche Daten herausgegeben. Dass diese Informationen (z.B. von Google) ganz schnell zu einem Profil zusammengefügt werden, sollte, spätestens nach der NSA-Affaire, jedem klar sein. Und wer weiss denn schon, wie in Zukunft die Persönlichkeitsrechte noch geachtet werden?
    Ich rate da lieber zu Vorsicht, stoße aber auch oft auf Unverständnis („Du hast dein Haus bei Google-Maps gelöscht, ist ja voll uncool..“).

  3. 28/07/2013 23:55

    Ein wichtiger Beitrag, vielen Dank! Darauf zu achten, ob und welche Daten unserer Kinder im Netz auftauchen, gehört für mich zu unserer Verantwortung als Eltern.

  4. 30/07/2013 22:21

    Ein sehr schöner Post! Ich kann Deinen Unmut verstehen, Mir ist es zumindest schon passiert, dass Bilder auf Facebook von meinem Sohn gepostet wurden ohne dass wir gefragt wurden. Allerdings ohne Namen. Meine Schwiegereltern haben am Anfang oft Bilder gepostet. Ich habe sie dann (leider mehrfach) bitten müssen das nicht mehr zu tun. In den USA sieht man das Ganze ohnehin etwas lockerer und postet so ziemlich bedenkenlos Bilder und Videos von Kindern mit Namen. Meine Verwandtschaft versteht dann oft nicht, warum ich das anders sehe. Auf Facebook mache ich manchmal einem ganz engen Kreis Bilder von meinem Sohn zugänglich. LG Katrin

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  1. 2013 – ein kleiner Fotorückblick | i.Lilly

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